Fachgespräch Grüne Arbeitswelt

Annika Schneider
Um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es mehr grüne Fachkräfte. In dem Projekt „Fachgespräch Grüne Arbeitswelt“ wollen der Wissenschaftsladen Bonn und die Agentur für Erneuerbare Energien gemeinsam mit Creator*innen, Ausbildungsbotschafter*innen und jungen Medienschaffenden Empfehlungen für neue Berufsorientierungsangebote erarbeiten.
Noch immer entscheiden sich zu wenige Jugendliche für eine Ausbildung in einem klima- oder umweltverwandten Bereich. Dadurch fehlen schon jetzt die Fachkräfte für morgen. Ein Grund hierfür: Jugendliche haben gerade bei Ausbildungsberufen keinen Überblick darüber, welche beruflichen Chancen in Klima- und Umweltjobs auf sie warten. Um dies zu ändern, braucht es neue und andere Berufsorientierungsangebote. Doch wie sollen diese am besten aussehen? Im „Fachgespräch Grüne Arbeitswelt“ entwickeln der Wissenschaftsladen Bonn und die Agentur für Erneuerbare Energien hierfür Empfehlungen – gemeinsam mit jungen Fachkräften. Denn damit Berufsorientierungsangebote möglichst wirksam werden, sollten Jugendliche sich schon bei der Konzeption beteiligen können.
Jugendlichen eine Stimme geben bei der Berufsorientierung
Dafür bringen die Projektpartner*innen drei Ausbildungsbotschafter*innen und drei junge Medienschaffende zunächst zu einem halbtägigen Konzeptionsworkshop zusammen. Die Beteiligten entwickeln im Workshop Leitfragen und identifizieren Brennpunkte. Es geht um Themen wie: Wie sieht der Berufsalltag als grüne Fachkraft in verschiedenen Berufsfeldern aus? Wie haben die Ausbildungsbotschafter*innen in ihren Bereichen Fuß gefasst? Und wie geht man als Fachkraft mit Zielkonflikten um, die sich auch und gerade im grünen Bereich kaum vermeiden lassen?
Insta-Talks ermöglichen größere Beteiligung
Im Anschluss daran diskutieren die Botschafter*innen diese Fragen mit reichweitenstarken Influencer*innen (sogenannten Creator*innen) – im Rahmen von drei Live-Talks auf Instagram und Twitch. Dabei können deren Follower*innen ebenfalls noch einmal eigene Fragen per Chat einbringen. So können und sollen pro Insta-Talk eine große Menge an Teilnehmenden erreicht werden. Nach den Instagram-Talks bereiten die drei jungen Medienschaffenden – ggf. mit Unterstützung der Ausbildungsbotschafter*innen – die Erkenntnisse der Talks in einem Workshop auf.
Handlungsempfehlungen auf Augenhöhe
Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fachgespräch mit relevanten Stakeholdern aus Ministerien und Verbänden ausgewertet und diskutiert. Dabei sollen die Medienschaffenden und Ausbildungsbotschafter*innen die Ergebnisse, Fragen und Empfehlungen aus den Instagram-Talks als Input in das Gespräch einbringen – mit Video-Statements, persönlichen Vorträgen und O-Tönen. Ergänzt wird das Fachgespräch mit maximal zwei Key Notes zu Themen der Grünen Arbeitswelt bzw. einer partizipativen und authentischen Berufsorientierung. Basierend darauf entwickeln die Beteiligten gemeinsam Handlungsempfehlungen, auf deren Grundlage zielgruppengerechte Orientierungsangebote für die grüne Arbeitswelt ausgerichtet werden können.
BioGoV.net – Ausbildung und Mentoring in der Bioökonomie

Annika Schneider
Was braucht es, um Ausbildung und Mentoring in der Bioökonomie zu etablieren? Und welche guten Ansätze gibt es schon? Damit beschäftigen sich zehn Partner aus acht europäischen Ländern im Projekt BioGov.net.
Ob Chemie, Landwirtschaft oder Pharmabranche: Bioökonomie Verfahren – also Arbeitsweisen, die sich die Kreisläufe der Natur zu Nutze machen und bei denen Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen wie Gras oder Holz herstellgestellt werden – verändern die Arbeitswelt grundlegend. Bisher kennen jedoch nur wenige Menschen diese Innovationen. Gleichzeitig erfordert dieser grundlegende Wandel am Arbeitsmarkt neue Kompetenzen und Qualifikationen von Fachkräften. Kurz: Es braucht Leitlinien sowohl für die Ausbildung als auch für die Förderung von jungen Fachkräften durch Maßnahmen wie Mentoring. Diese Leitlinien entwickelt jetzt das Projekt BioGov.Net.
Bedarfe direkt vor Ort ermitteln
Zur Entwicklung der Leitlinien führt BioGov.Net in Regionen in Estland, Griechenland, Portugal, Slowakei, Italien, der Tschechischen Republik, Niederlande und Deutschland Fallstudien durch. Diese identifizieren und bewerten, welche guten Ansätze und Potenziale es schon gibt, aber auch, vor welchen Hindernissen Unternehmen, wissenschaftliche Betriebe und Verwaltungen in den einzelnen Projektregionen stehen, um Bioökonomie zu etablieren. Außerdem ermitteln sie, welche Bedarfe und Erwartungen Akteur*innen jeweils hinsichtlich der Verfügbarkeit und Verwendung von Rohstoffen haben. Denn die Nutzung von Rohstoffen wie Mais oder Milch zu Herstellung von Produkten wird durchaus kritisiert, da diese damit nicht als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen. Außerdem ermitteln sie, welche Fähigkeiten erforderlich sind, um Verbraucher*innen, Industrie und Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen in die Lage zu versetzen, in ihren Bereichen auf sozial und ökologisch verantwortliches Verhalten umzustellen.
Aufgabe des WILA Bonn: Starke lokale Netzwerke aufbauen
Um die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven auf das Thema zu stärken, baut Biogov.Net außerdem vor Ort Netzwerke und sogenannte Communities of Practice auf. Diese werden interaktive Veranstaltungsformate wie Designathons oder Co-Design-Workshops durchführen. Hierbei sollen Menschen aus Bereichen wie Forschung, Bildung, aber auch Geisteswissenschaften, Kunst, Design/Kultur, Verwaltung, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Industrie gemeinsam auf Augenhöhe diskutieren und auswerten, was aus ihrer Sicht die Entwicklung von Kompetenzen im Bereich Bioökonomie fördert. Die Veranstaltungsergebnisse werden ebenfalls in die Vorbereitung der Schulungs- und Mentoring-Leitlinien einfließen. Diesen Arbeitsbereich leitet der Wissenschaftsladen (WILA) Bonn. Dabei kann er auf seine jahrelange Erfahrung im Bereich Partizipation in der Bioökonomie aus Projekten wie Allthings.bio.PRO oder BLOOM zurückgreifen.
Projektüberblick
| Laufzeit: | Juni 2022 – Mai 2025 |
| Förderer: | Europäische Kommission im Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa |
SDGs

Ansprechpartner
Norbert Steinhaus
(02 28) 201 61-22
norbert.steinhaus@wilabonn.de
Website des Projektes
Förderer:

Gefördert wird BioGov.Net von der Europäischen Kommission im Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa (GA 101060742).
Netzwerk Grüne Arbeitswelt

Annika Schneider
Der Aufbau einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft ist kein Projekt für Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer. Nur mit vereinten Kräften lässt sich in Deutschland eine Green Economy etablieren. Um dafür zukünftige Fachkräfte zu begeistern, informieren einzelne Institutionen, Verbände und Unternehmen Jugendliche bereits heute über grüne Jobs. Diese vielfältigen Berufsorientierungsangebote möchten der Wissenschaftsladen (WILA) Bonn e.V. in Kooperation mit der Zeitbild Stiftung und UnternehmensGrün e.V. bündeln und den Grundstein für ein bundesweites Netzwerk Grüne Arbeitswelt legen.
Ansatzpunkt des Projekts ist, dass trotz einzelner Initiativen Jobs im Bereich Klima- und Umweltschutz bei der Ausbildungs- und Berufswahl der meisten Schülerinnen und Schüler bisher kaum Berücksichtigung finden. Dadurch fehlen jetzt und in Zukunft entsprechende Fachkräfte. Grund ist jedoch nicht fehlendes Interesse der Jugendlichen, sondern eine unzureichende Vermittlung von Informationen. Zum einen ist das Thema in der institutionellen Berufsorientierung häufig unterrepräsentiert, zum anderen fehlt ein systematischer Überblick zu bereits bestehenden Orientierungsangeboten und Projekten im Rahmen des grünen Arbeitsmarkts.
Netzwerken im Online-Portal
Hier soll eine webbasierte Gesamtübersicht Abhilfe schaffen. Auf dieser Plattform werden schulische und unternehmensbezogene Orientierungsangebote in Deutschland zusammengetragen, aber auch außerschulische Lernorte und regionale Bildungsangebote verzeichnet. Außerdem soll den Nutzer/innen ein multimediales Infoangebot zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden nach ausgewiesenen Qualitätskriterien Materialien zur Unterrichts- und Seminargestaltung zusammengestellt, die kostenlos zur Verfügung stehen und über ein Online-Tool bewertet werden können.
Um ein möglichst vollständiges Bild deutschlandweiter Orientierungsmöglichkeiten für grüne Jobs zu erhalten, sind entsprechende Akteur/innen aufgerufen, sich am Aufbau und der ständigen Weiterentwicklung des Online-Portals zu beteiligen. Hierzu gehören einschlägige Fachinstitutionen, Vertreter/innen grüner Pilotvorhaben, schulische und außerschulische Bildungsakteur/innen, aber auch Ausbildungs-, Studien- und Berufsberater/innen sowie Unternehmen und Verbände mit grünen Orientierungsangeboten.
Workshops und Konferenzen geplant
Durch die Platzierung der unterschiedlichen Angebote werden die bisher eher vereinzelten und zum Teil sehr themenspezifischen Initiativen und Projekte in Deutschland sichtbarer gemacht. Zugleich entsteht so ein bundesweites Netzwerk für eine grüne Arbeitswelt. Die Netzwerkpartner/innen können sich aber nicht nur virtuell kennenlernen und austauschen, sondern auch im Rahmen von Workshops und Jahreskonferenzen zusammenkommen. Auf diese Weise können neue Kooperationen entstehen und weitere Projekte ins Leben gerufen werden – gemeinsam auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Wirtschaft.
Science Shop in Belarus

Annika Schneider
Schon in einem ersten Projekt engagierte sich der WILA, um BNE-Partner in Belarus zu stärken. Jetzt entsteht dort mit WILA-Expertise ein Wissenschaftsladen.
Schon 2015 und 2016 arbeitete der Wissenschaftsladen (WILA) Bonn mit Partnern in der Republik Belarus zusammen. In dem osteuropäischen Land entstand ein Netzwerk zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Jetzt soll die BNE-Zusammenarbeit mit der Gründung eines Science Shops weiter gestärkt werden. Als deutscher Partner hilft der WILA Bonn bei der Entwicklung des Konzepts.
Im Rahmen des ersten Projekts konnte 2016 in der Republik Belarus erfolgreich ein Netzwerk von BNE-Akteuren gegründet werden. Zusammengeschlossen haben sich darin Bildungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus verschiedenen Regionen des Landes. Auf lokaler Ebene fördern sie die Idee von nachhaltiger Entwicklung und unterstützen dafür die Zusammenarbeit verschiedener Akteure zum Erreichen der Sustainable Development Goals (SDGs).
Dieses Netzwerk soll nun weiter gestärkt werden. Die weißrussischen Akteure haben sich für die Gründung eines Science Shops entschieden – ein Ergebnis des deutsch-belarussischen Erfahrungsaustauschs. Der Science Shop soll die Nachhaltigkeit der lokalen Initiativen fördern. Beteiligt sind neben dem WILA Bonn die Education for Sustainable Development Association und die Maxim-Tank-Universität (BPSU) in Minsk.
Beratung für weißrussische Partner
Als größter europäischer Wissenschaftsladen unterstützt der WILA die Projektpartner dabei, ein nachhaltiges Konzept für den geplanten Science Shop zu entwickeln. Der Startschuss für das vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) geförderten Projekt fiel im April 2017 in Minsk. Im Juli 2017 folgte eine Summer School. Im Dezember 2017 besuchte eine Delegation aus Minsk im Rahmen einer Studienreise den WILA Bonn.
In Belarus hat sich in den vergangenen Jahren einiges im Feld der nachhaltigen Entwicklung getan: Das Land ist dem Umsetzungsprogramm der Strategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) beigetreten. Außerdem hat es eine nationale Strategie zur nachhaltigen Entwicklung verabschiedet, die bis 2020 umgesetzt werden soll. Mit dem neuen Science Shop sollen dafür die Kooperationen von staatlichen und nicht-staatlichen Bildungsträgern sowie von Behörden und Zivilgesellschaft weiter gestärkt werden.
Städtische Agrikultur – Innovation entwickeln (SAIN)

Annika Schneider
Mit dem Expertenwissen von Bürgerinnen und Bürgern entsteht ein Netzwerk rund um lokale Nahrungsmittelversorgung und städtische Agrikultur.
Ob Balkongarten, Stadtfarm oder Aquaponikanlage: Die Nahrungsmittelversorgung in Städten wird schon jetzt durch viele lokale Aktivitäten unterstützt. Betrieben werden sie meist von engagierten Bürgern, die sich oft hohes Spezialwissen angeeignet haben. Der Wissenschaftsladen Bonn und Fraunhofer UMSICHT wollen dieses Wissen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern bündeln, Technologien und Produktionsanlagen zugänglicher gestalten und die städtische Nahrungsmittelproduktion mit neuen Ideen voranbringen. Dabei sollen die Laien gemeinsam mit Wissenscahftler/innen neue Forschungsfragen entwickeln.
Kann ein kleinteiliges System der städtischen Agrikultur neben der herkömmlichen Landwirtschaft bestehen? Wie können die beteiligten Akteure nachhaltig und effizient zusammenarbeiten? Diese Fragen stehen im Zentrum des zweijährigen Projekts. Ziel ist es, im engen Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Produzenten entlang der Nahrungsmittelproduktion und zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort ein kleinteiliges und technologisch fortschrittliches Netzwerk zu entwickeln. Dafür werden zwei Erntefolgen in Bonn und Oberhausen betrachtet, bei denen Obst, Gemüse und anderen Nahrungsmittel erzeugt werden.
Neue Kreisläufe schaffen
Das Citizen-Science-Projekt bezieht Bürgerinnen und Bürger von Anfang an mit ein. Sie können die Inhalte in verschiedenen Formaten mitgestalten und bewerten. Ihr alltagspraktisches Wissen soll in das Netzwerk mit einfließen – wobei das bürgerwissenschaftliche Konzept als „lernendes System“ umgesetzt wird. Bürger/innen und Wissenschaftler/innen stellen Beteiligungskonzepte zusammen und entwickeln diese interaktiv weiter. Sie arbeiten dafür mit einem flexiblen Methodenmix, bis hin zu neuen und gemeinsam zu entwickelnden digitalen Hilfsmitteln. Ziel ist es, die Bürger zu forschenden Laien auf Augenhöhe zu machen und die Akteure vielfältig und innovativ zu vernetzen. Am Ende steht im Idealfall ein kreislauffähiges Gesamtsystem. Möglicherweise hat die urbane Agrikultur nicht nur ökologische und soziale, sondern auch ökonomische Vorteile in Ergänzung zur konventionellen Landwirtschaft.
Zum Projekt gehört auch eine von allen Akteuren gemeinsam gestaltete Öffentlichkeitsarbeit. Auf der entstehenden Projektwebseite, mit Social-Media-Beiträgen, Kurzvideos, Veröffentlichungen, einer Transfertagung sowie Fachbeiträgen zu Konferenzen und Messen werden die im Projekt gewonnenen Erfahrungen kontinuierlich weiter gegeben. Die Öffentlichkeitsarbeit wird eng mit dem Projektkoordinator Fraunhofer UMSICHT abgestimmt, der das theoretische und praktische Wissen auch über Vorlesungen, Studienarbeiten, Diplom- und Masterarbeiten vermittelt. Aufbauend auf den ersten Testreihen werden gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Forschungsfragen zur Verbesserung der bestehenden Abläufe, aber auch für die innovative Erweiterung der Projektprozesse formuliert.
Ideen auch für andere Städte
Ziel ist es, die in SAIN aufgebauten Kontakte, partizipativen Formate und innovativen Prozesse in Folgeprojekten weiter zu festigen. Deutschlandweit sollen die Erkenntnisse langfristig als mögliches Modell für die lokale und kollaborative Nahrungsmittelproduktion genutzt werden – zum Beispiel durch Kooperationen mit Ernährungsräten.
Projektüberblick
Projektpartner
Fraunhofer UMSICHT
Förderer


Das Projekt wird im Rahmen des Förderbereichs Bürgerforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es gehört zu 13 Projekten, die bis Ende 2019 die Zusammenarbeit von Bürger*innen und Wissenschaftler*innen inhaltlich und methodisch voranbringen und Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben sollen. Weitere Informationen beim BMBF und bei Bürger schaffen Wissen.
Stadt und Land im Fluss
Annika Schneider
Dem Klimawandel trotzen: Wissenschaft, Kommunalverwaltung und Bürger*innen entwickeln zusammen Ideen, um sich an Veränderungen anzupassen.
Wie können wir dem Klimawandel in unserer Stadt trotzen? Im Projekt „Stadt und Land im Fluss“ sammeln wir sowohl leicht umsetzbare als auch verrückte Ideen, wie jeder und jede von uns mit den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels – sprich: Hitze- und Trockenperioden, Starkregen, Zunahme von Pollen etc. – umgehen kann. Wir wollen wissen, welche Aktivitäten es zur Anpassung an den Klimawandel schon gibt und welche wir uns für die Zukunft wünschen.
Dabei sind der Phantasie erst einmal keine Grenzen gesetzt: Von technischen Lösungen, zum Beispiel bei Flusshochwasser, über die Pflanzung klimaangepasster Bäume und grüner Stadtoasen bis hin zu einfachen Verhaltensänderungen ist alles denkbar. In dem Projekt „Stadt und Land im Fluss“ wollen wir erste Schritte gehen, diese Ideen umzusetzen.
Um möglichst viel Wissen zu bündeln und neue Lösungswege zu finden, arbeiten Wissenschaftler/innen, Kommunalverwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger das ganze Projekt über eng zusammen. Wer Interesse hat mitzumachen, hat jederzeit die Chance einzusteigen und auch wieder auszusteigen, wenn es zeitlich nicht mehr passt. Feste Partner des WILA Bonn sind die Geographischen Institute an den Unis in Bonn und Bochum sowie die Städte Bonn und Gelsenkirchen. Alle anderen sind sowohl punktuell als auch langfristig herzlich willkommen, um ihre Ideen, ihre Fragen oder auch ihre Erfahrungen einzubringen! Eine gute Gelegenheit dafür bieten zum Beispiel sechs öffentliche Exkursionen in Bonn und Umgebung ab März 2018.
Klimalandschaften in NRW erfassen
Was sind „Klimalandschaften“? Um diese Frage zu beantworten, erweitern wir unsere räumliche und zeitliche Perspektive über den Alltagsgebrauch hinaus. Räumlich nutzen wir die Vogelperspektive, sogar die Satellitenperspektive, und werfen einen Blick auf Wälder, Flüsse, Vorstädte, Stadtzentren etc. in ganz Nordrhein-Westfalen. Zeitlich verbinden wir die Satellitenbilder der Vergangenheit mit denen der Gegenwart und können damit „Hot-Spots“ der Landschaftsentwicklung ausmachen: Städte dehnen ihre versiegelte Fläche aus, Flüsse verlieren ihre Auen, Weiden werden zu Äckern oder Neubaugebieten. Das alles macht uns verletzlicher gegenüber dem Klimawandel.
Gleichzeitig wollen wir wissen: Wer ist in Bonn schon aktiv und macht sich und die Stadt fit für den Klimawandel? Mit diesen Akteuren möchten wir lokale Ideen weiterentwickeln und in die Breite tragen. Dabei setzen wir auf Veranstaltungsformate wie Crowd-Mapping, Seminare, Exkursionen und lokale Info-Points.
Ideen auch für andere Städte
Wenn die Datengrundlage bezogen auf die Situation vor Ort erst einmal geschaffen ist und lokale Besonderheiten erfasst sind, geht es daran, Wechselwirkungen zu hinterfragen: Wie lässt sich beispielsweise eine Abkühlung überhitzter Innenstadtluft im Sommer verbessern? Inwiefern bieten in diesem Fall helle Hausfassaden, begrünte Plätze oder Gewässer Lösungen an? Um die wirkungsvollsten Ideen zu entwickeln, wie wir dem Klimawandel begegnen können, wird auch der Blick auf die Ökosystemleistungen der verschiedenen Flächentypen nicht fehlen. Denn gerade dort, wo Fläche knapp ist, macht es Sinn, sie optimal zu nutzen.
Neben kleineren Veranstaltungen wird eine „Summer School“ mit Studierenden, Schüler/innen und anderen Interessierten dazu beitragen, uns anhand verschiedener Szenarien unsere Zukunft in einer klimaangepassten Stadt auszumalen. Aus der Summer School heraus wird eine „Klimalandschaft 2030“ modelliert und im Anschluss mit Lokalpolitikerinnen und -politikern diskutiert. Auch wenn es um stadtspezifischeLösungen geht, bieten insbesondere die thematischen „Hot-Spots“, wie Innenstädte, Flussauen, Gewerbegebiete etc., Ansatzpunkte für einen aktiven Transfer in andere Städte.
Lust auf Veränderung
In drei Jahren Projektlaufzeit können nicht alle Maßnahmen fertig umgesetzt werden, daher geht es uns neben der praktischen Umsetzung auch darum, Handlungsleitlinien zu entwickeln, die das Projekt überdauern. Diese werden eingerahmt von einem Aktionsplan mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen, die von vielfältigen Akteuren umgesetzt werden können. Es gibt Maßnahmen, für die braucht es das Votum der Politik und die Kompetenz der Stadtverwaltung. Für andere braucht es engagierte Unternehmer/innen oder Verbandsvertreter/innen. Für wieder andere braucht es nur gesunden Menschenverstand und die Lust, etwas im eigenen Umfeld zu verändern.
Insgesamt ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Aktivitäten, die den Gewinn für das Zusammenleben in der Stadt insgesamt ausmachen. Und so möchten wir übertragbare Kooperationsformate erproben und einzelne Module aus dem Projekt „Stadt und Land im Fluss“ so weiterentwickeln, dass sie nicht nur in Bonn und Gelsenkirchen, sondern auch in anderen Städten nutzbar sind.
Projektüberblick
Projektpartner
Stadt Bonn
Ruhr-Universität Bochum
Universität Bonn
Förderer

Projektträger



