
Nachhaltige Stadtentwicklung
Die meisten Menschen leben in Städten. Deshalb ist es umso wichtiger, Städte lebenswert und klimaschonend zu entwickeln. Der WILA Bonn engagiert sich in vielen Bereichen für eine nachhaltige Stadtentwicklung – zum Beispiel, indem wir Begegnungsorte für Mensch und Natur in Mietquartieren gemeinsam mit Anwohnenden gestalten oder naturbasierte Lösungen in älteren Gewerbegebieten entwickeln oder ressourceneffiziente Bauprozesse moderieren.
Nach Schätzung der Vereinten Nationen werden bis 2050 rund 70 Prozent aller Menschen weltweit in Städten leben. Deutschland hat diesen Wert bereits deutlich überschritten: 77,9 Prozent aller Menschen leben hier im urbanen Raum. Urbane Räume spielen somit eine immer wichtigere Rolle – bei den Themen Wohnen, Arbeit, Wirtschaft, Kultur, Freizeit, aber auch für mehr Retention und Hitzeschutz im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig gibt es in Städten nur begrenzt verfügbare Flächen. Die Folge: Konflikte bezüglich der Flächennutzung.
Zusammenarbeit stärken, Netzwerke knüpfen
Um diese Konflikte zu lösen, setzt der WILA Bonn auch in seinen Stadtentwicklungsprojekten darauf, Menschen aus verschiedenen Kontexten wie Stadtverwaltungen, Unternehmen, Vereinen, Bildungseinrichtungen, aber auch Anwohnende bei Planungs- oder Umsetzungsprozessen zusammenzubringen und die transdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken. Wie wir das in einzelnen Projekten angehen und worauf wir uns konzentrieren, orientiert sich am Bedarf: In Reallaboren können Beteiligte im geschützten Raum beispielsweise zirkuläre Bauprozesse erproben. Oder mit Planspielen zu Themen wie Waldnutzung oder Gewerbegebietsplanung können sich Beteiligte in unterschiedliche Perspektiven hineinfühlen und so ihr Verständnis und die Argumentation für verschiedene Ansichten stärken. Durch das Knüpfen von Netzwerken sorgen wir dafür, dass sich Akteur*innen zu Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung regelmäßig austauschen. Ebenfalls entwickelt der WILA Bonn auch selbst neue Beteiligungsinstrumente – zum Beispiel um sicherzustellen, dass Menschen beim Thema Bodenpolitik in ihrer Stadt mitreden oder einen Park mit ihrem Wohngebiet mitgestalten können.
Soziales, Klima und Biodiversität zusammen denken
Eine weitere Methode, um mit der Flächenknappheit und den daraus resultierenden Interessenskonflikten umzugehen: Verschiedene Nutzungen multifunktional verbinden, also zum Beispiel Parkflächen schaffen, auf denen auch Retention stattfindet oder Coworking Spaces, die gleichzeitig der Biodiversität dienen. Auch der WILA Bonn nutzt diese Herangehensweise in seinen Projekten, zum Beispiel, um Gewerbegebiete im Bestand oder das Abstandsgrün von Wohnblocks zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Dabei geht es darum, mehr Grün und Blau so zu schaffen, dass sie gleichzeitig Folgen des Klimawandels wie Hitze oder Starkregen abpuffern, mehr Standortqualität schaffen, die biologische Vielfalt stärken und zu einer höheren Aufenthaltsqualität für Menschen beitragen.
Ressourcen clever einsetzen mit zirkulärem Bauen
Ein weiteres wichtiges Thema im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung ist der Bereich Bauen – um mehr lebenswerten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, aber auch, um Ressourcen effizienter zu nutzen und den Energieverbrauch langfristig zu senken. Bauen und Sanieren verbrauchen große Mengen an Rohstoffen wie Zement, Stahl oder Sand und produzieren sehr viel Abfall. Wenn dann auch noch auf grüner Wiese gebaut und damit neue Flächen versiegelt werden, wirkt sich das besonders negativ auf Klima und Natur aus. Nachhaltiges Bauen konzentriert sich deshalb darauf, bestehende Stadtgebiete möglichst nachzuverdichten, anstatt neue Flächen zu versiegeln, Grünflächen wie Dachbegrünung zu integrieren und auf nachhaltige Bauweise zu setzen.
Ein vielversprechender Ansatz, um nachhaltiger zu bauen, ist das zirkuläre Bauen. Dabei betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von der Planung über den Betrieb bis zum Rückbau. Dieses Vorgehen reduziert Abfälle und stellt sicher, dass Rohstoffe lange nutzbar und wiederverwendbar sind und Gebäude einfach wieder zurückgebaut werden können. Damit zirkuläres Bauen gelingt, sollten beteiligte Stellen schon möglichst früh in Planungsprozessen zusammenarbeiten. Der WILA Bonn entwickelt daher in seinen Projekten zu zirkulärem Bauen Bildungs- und Beratungsformate, um die Zusammenarbeit zu stärken und führt Veranstaltungen durch, die Menschen aus verschiedenen kommunalen Entscheidungs- und Planungsprozessen zusammenbringen. Die Formate reichen von Reallaboren bis hin zu den „zirkulären Impulsen“.