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Ethnologin und Trainerin Nicole Körkel

Nicole Körkel arbeitet an der Schnittstelle von Wissen, Kommunikation und Gesellschaft. Als ausgebildete Journalistin und Ethnologin hat sie sich auf Wissenschaftskommunikation und Interkulturelle Bildung spezialisiert. Ihre Erfahrung aus internationaler Zusammenarbeit, verschiedenen Ländern Afrikas, Kooperationen mit Unternehmen und Organisationen sowie Vereinsarbeit fließen in ihre Trainings am WILA Bildungszentrum ein.

In Ihrem Leben spielt das Thema "Kultur" ja eine große Rolle. Warum haben Sie sich entschlossen, dazu auch Trainings anzubieten?

Andere Sprachen und Lebensweisen haben mich schon immer interessiert. Ich bin in einer Grenzregion aufgewachsen, in der Vorbehalte gegenüber den Nachbar*innen häufig zu hören sind. Mit 19 Jahren habe ich die ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika miterlebt, als junge Journalistin später die Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Johannesburg und die Entwicklungen der „Regenbogennation“ unter Nelson Mandela verfolgt. Das alles hat mich und meine Berufswahl nachhaltig geprägt.

Warum denken Menschen, anderen durch ihre Herkunft, ihr Aussehen, ihr Wissen oder Können überlegen zu sein? Warum prägen Kolonialismus und Rassismus unser Leben bis heute und welche Rolle spielt dabei Kultur? Im Studium der Ethnologie, Afrikanistik und Politikwissenschaft habe ich mich mit diesen Fragen beschäftigt. Durch meine Arbeit in internationalen Projekten und anderen Regionen der Welt habe ich viel gelernt, so manches Fettnäpfchen betreten und erfahren, was es heißt, eine „Fremde“ zu sein, die die Regeln nicht kennt.

Historische Hintergründe, das Wissen über das Zusammenleben von Menschen und gesellschaftlichen Wandel, die Bedeutung von Vorurteilen oder Kommunikation sind Themen, die uns alle angehen, und das nicht erst, wenn wir in andere Länder reisen. Das beginnt in der Familie, in der Nachbarschaft, im Berufsalltag. Ich habe mich als Trainerin und Interkulturelle Trainerin ausbilden lassen, weil ich mein Wissen und meine Erfahrung teilen, zum Austausch anregen und damit einen Beitrag für ein verständnisvolleres Miteinander leisten will.  

Was möchten Sie in Ihren Seminaren vermitteln?

Kultur ist uns nicht angeboren – wir werden in eine Kultur hineingeboren und erlernen sie von klein auf. Unsere kulturellen Eigenheiten und deren Bedeutung sind uns meist gar nicht bewusst – wir kennen es ja nicht anders. Warum schmücken wir im Dezember einen gefällten Baum im Wohnzimmer? Warum bin ich im Job pünktlich und versuche, im Gespräch direkt auf den Punkt kommen – und warum wird das von manchen Kolleg*innen weder praktiziert noch geschätzt? Wie gehe ich damit um?

Wenn mir mein kultureller Kontext und damit verbundene Werte bewusst sind, kann ich diese kritisch beleuchten, einordnen und auch schätzen. Damit werde ich auch Anderen und Anderem gegenüber sensibler – ganz gleich, wo ich mich befinde oder wie mein Gegenüber aufgewachsen ist. Mit kultursensibilisierenden Trainings rege ich zu diesen Perspektivwechseln an.

In meinen Trainings ist es mir wichtig, Fachwissen rund um den Komplex „Kultur“ zu vermitteln und relevante Begriffe zu klären. Vor allem aber möchte meine Teilnehmer*innen in ihrer Arbeits- und Lebenssituation abholen und durch praxisnahe Übungen Aha-Erlebnisse erzeugen.. Das funktioniert besonders gut beim Ausprobieren zusammen mit anderen und nicht zuletzt mit Spaß und Humor. Ich will Freude an kultureller Vielfalt vermitteln ohne erhobenen Zeigefinger. Wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, können wir voneinander lernen. Vielfalt gewinnt – darauf möchte ich das Augenmerk lenken.

Kann man interkulturelle Kompetenz überhaupt „erlernen"?

Da Kultur nicht angeboren ist, können wir auch lernen, uns in anderen Kulturen angemessen zu bewegen und das Miteinander mit Menschen aus bzw. in anderen Kulturen gut zu gestalten. Ich kann in einem Training allerdings keinen Knopf drücken, durch den alle Teilnehmer*innen automatisch interkulturell kompetent werden. Im Seminar geht es vor allem darum, für interkulturelle Fragen zu sensibilisieren und einen Lernprozess anstoßen.

Interkulturelle Kompetenz ist mehr als etwa reine Landeskunde. Sie hat viele Facetten, die sich gegenseitig beeinflussen. Dazu gehört das Wissen über Kulturen ebenso wie bestimmte Soft Skills – Offenheit, Reflexionsfähigkeit oder auch Beobachtungsgabe – und Fertigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, die mich beispielsweise Konflikte erkennen und lösen lassen. Interkulturelle Trainings dienen dazu, einzelne Facetten von interkultureller Kompetenz zu erkennen, zu entwickeln, zu stärken, zu verbessern. Und sie stehen für ein Lernen mit Hirn, Herz und Hand.     

Über Nicole Körkel

Nicole Krkel Foto Annette KorollAusbildung: Journalistin, Ethnologin M.A., Trainerin

Webseite: https://nicole-koerkel.de/

Foto: © Annette Koroll

 

 

Nächste Seminare

17.06.-
18.06.21
Online-Seminar: Interkulturelles Training für die internationale Projektarbeit
22.11.21 Präsenz-Seminar: Interkulturelles Training für die internationale Projektarbeit